Start-up Failure

Zu gründen ist immer mit einem unternehmerischen Risiko verbunden und nicht selten scheitern Start-ups. Leider weiss man darüber viel zu wenig. Grund genug, sich diesem Thema zu widmen und mit Voruteile aufzuräumen.

Auf jeden Hype folgt ein Down

Nutzt bzw. kennt überhaupt noch irgendjemand StudiVZ? Das war mal das Soziale Netzwerk schlechthin in Deutschland. Rasant gewachsen, fester Bestandteil deutscher Jugendkultur, omnipräsent in den Medien und vom Holtzbrinck Verlag damals für circa 80 Millionen Euro gekauft. Doch das war einmal…heute ist die StudiVZ-Gruppe ein Schatten ihrer selbst und gehört längst der Investmentfirma Vert Capital.

Und StudiVZ ist nur die Spitze Eisbergs…

Mit MyParfüm (trotz Pro7Sat1-Einstiegs Ende 2012), dem FoundersLink-Venture Givanto, dem Team Europe Start-up ChicChickClub, dem besonders in Hamburg präsenten Customer-Loyalty-App-Anbieter Wynsh , dem ebenfalls aus Hamburg stammenden supermarkt.de sowie Petitebox, einem Ableger von Glossybox, dem Birchbox-Klon von Rocket Internet  gibt es aktuell viele weitere Start-ups, deren Hoffnungen sich nicht erfüllten.

Dass die Liste natürlich noch viel länger ist, kann man hier, hier und hier sehen.

Die Gründe zum Scheitern sind vielfältig

Zwar sind die meisten der genannten Start-ups im Online- und Mobilebereich tätig, doch trotzdem unterscheiden sie sich sehr in den jeweiligen Ursachen.

Bei MyParfüm waren augenscheinlich die Personalkosten zu hoch. Der Anstieg dieser Fixkosten bei anscheinend relativ gleichbleibenden und wenig skalierbaren Umsätzen entwickelte sich dann zu einem Gift-Cocktail, von dem es sich nicht mehr erholen liess. Zudem adressierten sie einen sehr nischigen Markt, da das klassische Klientel eher auf bekannte Düfte setzte, statt selbst ein eigenes Parfüm zu kreieren.

Bei supermarkt.de könnte man vermuten, dass sie ein Finanzierungsproblem hatten. Denn Lebensmittel online zu vertreiben setzt hohe Vorlaufinvestionen für Lager, Logistik, Kühlkette usw. voraus, die die wenigsten Investoren bereit sind zu übernehmen. Ohne ein valides Proof-of-Concept investieren VC’s i.d.R. keine grösseren Summen. Überdies ist fragwürdig, ob in Deutschland eine grosse Bereitschaft vorhanden war, Lebensmittel online zu bestellen.

Ganz anders wiederum war es wohl beim ChicChickClub. Hier waren wohl sehr kompetitive Marktverhältnisse sowie diverse Probleme auf Führungsebene die Hauptgründe für die Aufgabe.  Mitgründer Nikolaus Meyden verliess schon wenige Monate nach Start das Unternehmen und zeitweise stand der ChicChickClub ganz ohne CEO dar und musste interims-mässig von Team Europe geführt werden. Im Herbst 2012 wurden dann 25% der Belegschaft freigestellt, bevor dann im Dezember mit Ebony Morczinek eine neue Geschäftsführerin kam. Aber vermutlich war da das Kind längst in den Brunnen gefallen.

Bei anderen Start-ups mag das wiederum ganz anders aussehen. Sie mögen entweder zu früh oder zu spät am Markt gewesen sein. Manch andere Start-ups wiederum wurden nie mit vollem Einsatz ihrer Gründer geführt. Oft betrieben sie ihre Gründungen neben ihrer eigentlichen Arbeit. Doch nebenbei kann niemand wirklich ernsthaft unternehmerisch tätig sein. Geschweige denn davon, finanziert zu werden. Welcher Investor gibt einem Gründer Geld, der nicht selbst mit Eigenkapital eingestiegen ist und sich voll zu seinem Unternehmen committed?

Aber zu scheitern ist keine Schande

In seltenen Fällen stolpern Gründer über sich selbst. Klar, selbstverliebte, verantwortungslose und führungsschwache Gründer gibt es immer wieder, doch primär sind es die externen Rahmenbedingungen, die ein Start-up zum Aufgeben zwingen. Schliesslich hat man zum Zeitpunkt der Gründung keine Gewissheit über den weiteren Verlauf. Wenn neue Wettbewerber den Markt betreten, sich die Patentanmeldung in die Länge zieht, Investoren mitten in der Due Diligence den Deal abbrechen oder sich das Team zerstreitet, hätte man dies nicht im Vorfeld wissen können! Aber genau diese Ungewissheit macht ja das Leben als Entrepreneur so spannend.

Und deswegen ist es bewundernswert, dass der Online-Massschneider YouTailor nun bereits seinen dritten Anlauf wagt. Man kann dem Team nur alles Gute wünschen, dass es diesmal klappt und dass sie ihre ehemaligen Kunden zurückgewinnen und natürlich auch Neukunden hinzugewinnen können.

Und selbst wenn man scheitert, ist das kein Beinbruch. Denn mit der eigenen Gründungserfahrung erhöht man seine eigene Arbeitsmarktfähigkeit. Mit der eigenen Selbstständigkeit lernt man vielmehr, als mit dem Besuch diverser Vorlesungen. Und aus Sicht zukünftiger Arbeitgeber wirkt es beeindruckend, wenn sich ein Bewerber ans Herz gefasst hat und mit eigenem Geld seine Geschäftsidee umsetzte und bereit war, 120% zu geben und es dem Markt zu zeigen. Ganz getreu dem Motto: „Ein guter Consultant ist noch kein guter Unternehmer, aber ein Unternehmer ist ein guter Consultant“.

Und ehrlich gesagt, wer als GründerIn einmal Blut geleckt hat, ist vom Start-up-Virus befallen, will immer mehr und lässt sich trotz aller Widrigkeiten nicht abschrecken. Es gibt keine Serial Entrepreneurs, die nicht schon mal gescheitert sind!

Lessons Learned

Halten wir also fest. Es ist nicht alles Gold was glänzt und wer sich nicht mit den „Misserfolgsfaktoren“ auseinandersetzt, dem nützen auch keine „Erfolgsfaktoren“. Ohne die Betrachtung beider Medaillenseiten ist man gefangen in den „Survivorship Bias“.

Zudem ist eine Gründung immer ein komplexes Unterfangen und mit hohen Risiken verbunden. Doch wer es schafft erfolgreich zu sein, dem ist Ruhm und Ehre sowie ein finanzielles Ruhekissen gewiss.

Und wer es im ersten Anlauf nicht schafft, schafft es beim zweiten Mal!

In diesem Sinne würden wir uns freuen, wenn Ihr eine Karriere als UnternehmerIn in Betracht zieht und laden euch herzlich ein, für Feedback zu eurer Geschäftsidee auf uns zuzukommen oder euch direkt für das HSG Entrepreneurial Talents Programm zu bewerben. Wir freuen uns darauf, Euch zu unterstützen, wo immer wir können.

Kontakt: stephan.gemke(at)unisg.ch

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HSG-Familie aufgepasst: Ihr gründet oder wollt gründen? Die Universität St.Gallen (HSG) unterstützt Euch dabei. Das HSG Gründer Lab und das Center for Entrepreneurship (CfE-HSG) sind Eure Ansprechpartner. Zögert nicht auf uns zuzukommen. Hier findest Du alle Informationen.
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One response to “Start-up Failure

  1. Pingback: Wenn der Geldgeber insolvent geht… | HSG Entrepreneurship Campus

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