Stärken und Schwächen von Crowdfunding/Crowdinvesting

Am neuen Finanzierungsphänomen des Crowd-Financing / Crowd-Investing scheiden sich die Geister. Wir geben einen Überblick über die Vor- und Nachteile.

Crowdfunding und Crowdinvesting erfreuen sich als alternative Finanzierungsformen für Künstler, Musiker oder Startups immer grössere Beliebtheit. Amanda Palmer  und Ouya gelten beispielsweise als geglückte Finanzierungen durch die Crowd. Diaspora hingegen ist vielversprechend gestartet, sieht sich nun allerdings grosser Kritik ausgesetzt.

Ein Allheilmittel sind solche Schwarmfinanzierungen daher nicht. Sie eignen sich vor allem für einzelne Projekte und Produkte, wie z.B. ein Film, ein 3D-Drucker oder ein neues Musikalbum. Ob sie sich tatsächlich nachhaltig als Finanzierungsplattform für Start-ups durchsetzen ist mehr als fraglich.

Doch der Reihe nach…

Vorteile des Crowdinvesting:

Über die einzelnen Plattformen kann sich ein Start-up einer sehr grossen Schar von potentiellen Investoren präsentieren – und zwar in deutlich grösserem Umfang als bei einem VC oder bei diversen Business Angel-Netzwerken, die ihrerseits ja primär als Gatekeeper agieren. Ebenfalls ist die Heterogenität der Investoren grösser. Nicht alle sind rein profitgetrieben, sondern engagieren sich auch an sozialen und künstlerischen Projekten. Kunst umfasst hierbei auch die sog. Ingenieurskunst. Es muss ja nicht immer ein IT-Start-up sein. Auch im Materials/Energy/Maschinenbau-Bereich gibt es unterstützungswerte Projekte.

Somit haben vor allem Start-ups gute Finanzierungschancen, die nicht den supergeilen Hockey-Stick aufweisen können oder zunächst mal einen Prototypen entwickeln wollen.

Nachteile des Crowdinvestings:

So attraktiv es aus Start-up-Sicht auch ist, auf der Investorenseite überwiegen die Nachteile. Thomas Promny, selbst aktiver Gründer, Business Angel und Online-Marketing-Experte, bemängelt: „Bei den Crowdfundern landen alle Startups, die bei VCs und Business Angels abgeblitzt sind.”

Das Rendite-Risiko-Verhältnis ist für Kapitalgeber zudem äusserst schlecht. Im Gegensatz zum klassischen Beteiligungsgeschäft fehlt es an Möglichkeiten zur meilenstein-basierter Finanzierung sowie zur Absicherung über eine Liquidationspräferenz. Erfahrene VCs und Business Angels werden Crowd-Investing-Portale daher wohl eher meiden.
Ärgerlich aus VC-Perspektive ist ebenfalls die Vielzahl an unterschiedlichen Gesellschaftern. Neben vermehrtem Aufwand bzgl. des Managements des Gesellschafterkreises muss man bei der Anschlussfinanzierung auch alle Altgesellschafter und Kleinanleger poolen.
Denn Crowdinvesting bedeutet vor allem, dass mehrere hundert Investoren, mit Kleinstbeträgen von wenigen hundert bis tausend Euros, geringe Anteile halten. Um hier die Komplexität in den Term-Sheets und Beteiligungsverträgen nicht unnötig ansteigen zu lassen, empfiehlt es sich, diese „Kleinanleger“ zu poolen.
Hinzu kommen Probleme in der notwendigen Due Diligence und in der Ausgestaltung der Beteiligungsverträge, insbesondere jener bei späteren “richtigen” Finanzierungsrunden.

Aufgrund von Unterschiede in der Provisionshöhe, Mindesteinlagen, maximalen Finanzierungshöhen und Einwerbungszeiträumen sowie in der Notwendigkeit von professionellen (also bspw. durch die BAFIN freigegebenen) Verkaufsprospekten, liegt in der Transparenz der Crowdinvestingportale ein weiterer Nachteil – sowohl für Start-ups, als auch für Investoren.

Zusammenfassung:

Crowdinvesting-Plattformen haben durchaus ihre Berechtigung als Frühphasen-Financiers. Sie eignen sich aber nicht für alle Start-ups und unterscheiden sich stark in ihren Anforderungen und Konditionen. Und für alle, die sich durch diesen Artikel nicht abgeschreckt fühlen, sei folgende Liste über Schweizer, deutsche und internationale Crowdfunding-/Crowdinvestingportale empfohlen:

Portal-Übersicht:

Seedmatch

Kickstarter

Bergfürst

Startnext

c-crowd

wemakeit

innovestment

Companisto

Founding Crowd

Weitere Plattformen gibts hier

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