Gründerstory: HSGlerin Nora Gautschi revolutioniert den Reitermarkt

“Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde.“ sagt der Volksmund. Doch Nora Gautschi war sich da nicht so ganz sicher… Als passionierte Reiterin wusste sie ja, dass auf dem Pferderücken sowohl outdoortaugliche als auch schicke Bekleidung gefragt ist. Leider genügte die bisherige Reitkleidung diesen Anforderungen nicht im Geringsten. Grund genug dies zu ändern und Nora entschloss sich, eine eigene, innovative Reitbekleidung zu entwickeln. Herausgekommen ist ihr Sportbekleidungs-Label Scarabeus, welches seit 2013 exklusiv die Schweizer Springreiter-Nationalmannschaft ausstattet.
Scarabeus Logo

Vom Hobby zum Business

Alles begann im Kindesalter mit einem Ski-Urlaub, der sich mangels Schnee zum Reit-Urlaub wandelte. Die im nahgelegenen Bauernhof stehenden Pferde zogen Nora und ihre zwei Schwestern magisch an. Sie fütterten, pflegten und ritten die Pferde den ganzen Urlaub lang sowie über den folgenden Sommer hinweg und konnten seitdem an nichts anderes mehr denken, als an Pferde.
Und Nora und ihre Schwestern hatten Talent: Im Laufe der Jahre wurden sie immer besser und nahmen erfolgreich an Turnieren teil. Nach der Matura und mit dem Beginn des Studiums folgte dann jedoch ein kleiner Bruch, da die Zeit einfach zu knapp war, um das Turnierreiten weiter professionell auszuüben. Die Leidenschaft für Pferde blieb aber nach wie vor bestehen…

Das Wohlbefinden des Reiters im Blick

Aus ihrer aktiven Reiterzeit her war sich Nora unzähligen kleidungsspezifischen Ärgernissen bewusst: Angefangen bei den Schurwoll-Jacketts, die weder waschbar noch elastisch waren, über weisse Turnierreithosen, welche ihre Farbe in Kontakt mit dem Pferd mysteriöserweise innert Sekunden zu grün zu wandeln schienen bis hin zu schlechten Schnitten, die z.B. zu Druckstellen führten. Als sie darüber mit ihrer Freundin Fabienne (gelernte Schneiderin mit abgeschlossenen Design-Studium in Paris) ins Gespräch kam, entwickelte sich schnell der Gedanke, den ganzen Kleidungsproblemen endlich Abhilfe zu schaffen.

Dank Fabiennes Know-How (insb. aus der Sportbekleidungsbranche) und dem Erfahrungsschatz der beiden als Reiterinnen waren die ersten Muster schnell entwickelt und so schneiderten sie für Testpersonen entsprechende Massoutfits, um ihre Muster unter realen Bedingungen zu testen. Zudem entwickelten sie gemeinsam mit einem Schweizer Stoffproduzenten neue Funktionsstoffe und verarbeiteten diese auf bislang ungewohnte Art und Weise: Statt gewebt zu werden, wurde das Material gewirkt, was es deutlich elastischer machte. Hinzu kamen weitere Features, wie z.B. die sog. Silicon Grip Prints, die den Reitern noch besseren Halt im Sattel ermöglichen. Alles in allem wurde die Reiterhose dadurch griffiger, bequemer, funktionaler sowie deutlich schmutz- und wasserabweisender, als bisher – und irgendwie auch technologischer, als es von aussen her den Anschein hat.

Wie vertreibt man nun die Kleidung?

Es ist ja nicht so, dass Scarabeus nur eine Reithose zu verkaufen hätte, auch wenn das natürlich das Kernprodukt ist. Das neuartige Material, mit dem sie arbeiten, eignet sich auch für viele andere Artikel und so deckt Scarabeus nun sowohl alles an Kleidung ab, das die Reiter zwischen Helm und Stiefel tragen, als auch ergänzende Kleidung wie Outdoorjacken. 40 Artikel in unterschiedlichen Farben und Grössen sind es momentan.

Vertrieben werden sie primär in der Schweiz, in Deutschland und in Italien. Einige Russen zählen ebenfalls zu den Kunden. Mit 15 Händlern arbeitet man bereits zusammen und entweder wird die Kleidung hierüber, oder über den eigenen Online-Shop vertrieben. Ausserdem haben die Gründerinnen neben ihrem Büro in Sins ein kleiner Flagship Store eingerichtet und promoten ihre Kollektionen mit einem mobilen Eventstand jährlich an 10-15 Turnieren.

Ein wesentlicher Vorteil liegt zudem in der Mund-zu-Mund-Propaganda. Was eine solche Menge an Problemen löst und gleichzeitig chic aussieht will schliesslich jeder haben. Und so wurden gerade zu Beginn, als die Händlerstruktur noch nicht aufgebaut war, viele Artikel durch diesen Effekt verkauft. „Immer mehr und mehr Kunden kamen von sich auf uns zu, wir mussten gar nicht so viel Werbung schalten“, berichtet Nora Gautschi über ihre ersten Verkaufserfahrungen. Das Preis-Leistungsverhältnis sei zudem sehr ausgewogen und vergleichbar mit der Outdoormarke Mammut. So braucht es für ein komplettes Turnieroutfit um die CHF 1‘000.

Scarabeus

Die Scarabeus-Kleidung im Praxistest…

Und sonst so? Was sind die Lessons Learnt?

Für uns, also für Fabienne und mich, stand von Anfang an fest, dass wir Scarabeus gross und richtig aufziehen. Ein „wir machen das mal nebenbei“ kam nicht in Frage“, gibt Nora zu verstehen und ergänzt „man muss wirklich zu 100% dabei sei, keine Angst vor Fehler haben und bereit sein, auch Tiefpunkte zu überwinden.“ Sehr wertvoll sei es auch gewesen, von Anfang an eng mit den Kunden zusammenzuarbeiten. So hätte man nützliches Feedback und vor allem kostenlose Testimonials bekommen. Marketing muss demnach nicht viel kosten, wenn man vieles selber macht und es klug anstellt.

Angesprochen auf ihr schönstes Erlebnis, weiss sie ebenfalls eine Antwort. So sei es besonders schön, wenn man bei Turnieren ReiterInnen Scarabeus-Kleidung tragen sehe – vor allem dann, wenn man den- oder diejenige nicht kenne oder diese, noch besser, aus dem fernen Ausland kommen. Auch die Schweizer Nachwuchs-Springreiter machen ihr Freude. Kaum hatten diese ihre Scarabeus-Jackets erhalten, wurden sie schon Doppel-Europameister und bestätigen den Slogan: „Scarabeus bringt Glück“.

Ein peinliches Erlebnis hingegen sei zunächst die Winterjacke gewesen. Hier hätte man viel investiert und besonders robuste, hochwertige Materialien verarbeitet – jedoch übersehen, dass sich diese nicht mit dem Klettverschluss vertragen. Pilling entstand und das war natürlich gar nicht im Sinne der Erfinderinnen. Schliesslich war die Jacke eines der ersten und teuersten Stücke der neuen Kollektion, welches entsprechend tadellos sein musste. Daher hat man sämtliche Kunden angerufen und ihnen die Rücknahme der Jacken angeboten. Die verbliebenen Jacken verkaufte man schweren Herzens im Sale für 100 Franken – natürlich wurden alle Kunden vor dem Fehler gewarnt. Ironischerweise wollte dann trotzdem jeder die Jacke haben. Sie ging weg wie „warme Semmel“ und der Umsatz verdreifachte sich im Vergleich zum Vormonat. Und die Moral von der Geschicht‘: Fehler verzeiht man nur bei zu hohen Preisen nicht…😉

Wir wünschen Nora und Fabienne und dem ganzen Scarabeus-Team weiterhin alles Gute und viel Erfolg. Wenn es so weitergeht, wie bislang, wird’s eine „Never-ending Erfolgsstory“… in diesem Sinne, das Team des HSG Entrepreneurship Campus.

Nora Gautschi

Nora Gautschi

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