HSG Gründerstory: Magnus Resch mit Larry’s List

Er finanzierte sich sein Studium über Kunstverkäufe, dann promovierte er mit 26 an der HSG. Heute ist Dr. Magnus Resch (29) Serienunternehmer und unterrichtet ab diesem Semester einen Kurs an der HSG zum Unternehmertum im Kunstmarkt (hier das Merkblatt). Grund genug mehr über ihn und sein aktuelles Start-Up Larry’s List zu erfahren.

Magnus Resch

„Ich war 20, als ich eine Galerie gründete. Ich kam gerade von der Bundeswehr und wollte mir neben dem Studium ein bisschen Geld dazu verdienen. Damals faszinierte mich der Kunstmarkt. Bis heute hat sich nichts verändert. Entziehen kann ich mich nicht mehr.“
Es war dann auch in dieser Zeit, also vor knapp 10 Jahren, als Magnus den Bedarf erkannte für das, was später Larry’s List werden sollte. „Wir zeigten ein solides Programm. Ich ging davon aus, dass die Leute schon kommen würden. Aber der Laden blieb leer. Irgendwann fing ich an, nach Adressdatenbanken zu Kunstsammlern zu suchen. Ich fand keine.“
Dies sollte der Grundstein für Larry’s List werden. Aber es dauerte noch einige Jahre, bis es wirklich losging.

Studium in Rekordzeit – Dann Aufstieg in der Berliner Internet Szene

Parallel zu seiner Galerie studierte Magnus in Rekordzeit an der HSG, in Harvard und der LSE. In nur 1 ½ Jahren schrieb er seinen Doktor an der HKU und HSG zum Thema Management of Art Galleries. Mit 26 war er promoviert und frei für neue Möglichkeiten: „Ich kam dann recht zufällig in Kontakt mit den Business Angels Klaus Hommels und Oliver Jung.“ In den kommenden zwei Jahren sollte Magnus Geschäftsführer von Springstar werden, einem internationalen Inkubator mit ca. 20 Portfolio Firmen und über 3000 Mitarbeitern. In dieser Zeit gründete Magnus zahlreiche Firmen, z.B. das Restaurant Reservierungs-Portal Gourmeo und den Schmuckdirektvertrieb Juvalia.com. „Es war super interessant zu sehen, wie Modelle unterschiedlich funktionieren, ganz abhängig davon, wo wir sie launchten. Es konnte sein, dass in Deutschland ein Modell nur mäßig lief, in Indien aber förmlich explodierte.“ Nach 2 Jahren verließ Magnus das Inkubatoren Umfeld, um auf eigenen Beinen zu stehen. Magnus gründete Gymondo.de, ein Online Fitnessstudio, das nach 6 Monaten von der Mediengruppe ProSiebenSat1 übernommen wurde. Parallel startete er Larry’s List, sein aktuelles Start-Up.

Larry’s List verkauft Adressen – an Kunstmarktakteure, Banken und viele andere

„Galeristen wissen schlichtweg nicht, wer ihre Kunden sind. Larry’s List liefert ihnen genau diese: Es ist eine Datenbank über Kunstsammler. Galeristen, Banken und Händler von Luxusgütern nutzen den Service, um neue Kunden zu finden oder mehr über bestehende Kunden zu erfahren.“ Der Service funktioniert dabei sehr einfach. Auf der Startseite hat der Kunde die Möglichkeit Filter anzulegen. Er kann zum Beispiel nach Sammlern in einer bestimmten Region oder nach Sammlern von gewissen Künstlern filtern. Er erhält dann eine Trefferliste mit Sammlernamen, die auf diese Auswahl zutreffen. Die Adressdetails der Sammler und deren Profile kann er ab $9,50 erwerben.
Die Charakteristiken des Geschäftsmodells erinnern dabei sehr an Angellist, einer Datenbank der wichtigsten Business Angel, die für mehr Transparenz, mehr Validität und effizientere Interaktionen innerhalb ihrer Kundenmärkte sorgt. Der Markt der Business Angels ist gleichfalls fragmentiert und undurchsichtig. Und ebenfalls wie im Kunstmarkt ist der Begriff „Business Angel“ nicht geschützt und entsprechend anfällig für Unterwanderungen durch „semi-professionelle Akteure“. „Transparenz in den Kunstmarkt zu bringen ist wie die Suche nach dem heiligen Gral. Wir entschlossen uns mit den Sammlern, also der Nachfrageseite, zu starten“.

1 Jahr harte Recherche-Arbeit.

Die Komplexität des Projektes und der Aufwand lassen sich nur erahnen. Magnus startete Larry’s List 2012, erst im September 2013 launchte die Seite. „Anders als bei meinen Start-Ups zuvor konnten wir nicht nach wenigen Monaten launchen. Wir haben 1 Jahr mit 25 Researchern an Larry gearbeitet. Der Aufwand war enorm.“
Im ersten Jahr ging es ausschließlich um Research Arbeit. Das Team screente über 27‘000 verschiedenen Quellen, angefangen bei Print-Magazinen bis hin zu Auktions- und Museumskatalogen und unzähligen weiteren On- und Offline Quellen. Sobald ein Sammler entdeckt wird, prüft der Researcher dessen Sammlungsqualität. Kriterien zur Auswahl sind zum Beispiel die Größe der Sammlung, deren Relevanz, Ausstellungshistorie uvm. Die Intensität und Dauer einer solchen Forschungsarbeit ist dabei beeindruckend. „So etwas nachzurecherchieren verursacht hohe Kosten. Aber das ist notwendig. Es ist uns egal, ob es einen Tag oder eine Woche und länger dauert, bis wir ein hochwertiges und valides Sammlerprofil erstellt haben.
Ein 25 köpfiges Team steht dabei an Magnus Seite. Jeder von ihnen kann eine mindestens dreijährige Arbeitserfahrung im Kunstmarkt, einen kunstbezogenen Studienabschluss sowie lokale Kunstmarkt Expertise vorweisen. „Uns war es wichtig, dass wir ein sehr erfahrenes und kompetentes Team aufbauen. Hierzu haben wir vor Ort gesucht und z.B. in Brasilien entsprechende portugiesische Stellenanzeigen lanciert.“ erläutert Magnus seine Rekrutierungsmassnahmen.

Fulminanter Launch und neue Kundengruppe

Der Aufwand und die Vorleistung scheinen belohnt zu werden. Das Presseecho zum Auftakt war beindruckend. Forbes, Bloomberg, Financial Times, Wall Street Journal, South China Morning Post, Ria Novosti (russisches DPA) sowie 80 weitere Medien schrieben über Magnus Start-up.
Und wie sieht es mit den Umsätzen aus? „Wir sind sehr zufrieden mit dem Start. Viele Top Galerien haben schon gekauft. Aber auch Banken. Sammler sind Private Wealth Kunden.“ Spannend wird es nun zu sehen sein, ob die Kunden nach einem ersten Einkauf wieder kommen. Das lässt sich aber wohl erst in ein paar Monaten feststellen.

Die Lessons Learnt für die HSG Studenten

„Mutig sein. 10% als Gründer nach der Seed Runde zu halten, darf kein Ziel sein. Die Amis sind da anders: In der Gründungsphase investieren die Gründer all ihr Geld in ihr Start-Up. So halten sie die Anteile bei sich“. In der Konsequenz rät Magnus dazu, mit hohen Seed Runden zu warten und den Start möglichst bootstrapped zu machen.

Weiterhin muss sich jeder Gründer fragen, ob Deutschland der richtige Standort ist: „Geld in Amerika zu raisen ist leichter und die Tickets fallen größer aus. Ganz abhängig vom Modell kann es ebenfalls sinnvoll sein, in Indien oder Brasilien zu starten.“ Deutschland sei ein hart umkämpfter Markt mit einer schwachen VC Szene. Für Deutschland sprächen die Kenntnis des Landes, sichere Rahmenbedingungen und die Nähe zur Mami.

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Magnus unterrichtet ab diesem Semester den Kurs: Management von Kulturunternehmen. Der Kurs richtet sich an alle, die sich für Unternehmertum und den Kunstmarkt interessieren.

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