Gründerstory: Kilian Wagner und sein Brillen Start-up VIU

Mama, Papa, ich werde Brillenverkäufer – so etwas sagen vermutlich die wenigsten HSG Absolventen ihren Eltern, doch für Kilian Wagner und Peter Käser ist es der Traumberuf, wenngleich Brillenverkäufer untertrieben ist. Worum es eigentlich geht ist VIU, ein junges Brillenlabel aus Zürich, das sie zusammen mit zwei Designern und einem Optiker 2013 gegründet haben. Über das gleichnamige Start-up handelt dieses Blogpost.

Das Team von VIU, Kilian ist der zweite Mann von Links

Das Team von VIU, Kilian ist der zweite Mann von links

Ein Blick in die Start-up Landschaft und schon erhält man den Eindruck, dass alles, was sich stationär vertreiben lässt, auch bereits im Web abgebildet ist. Ob Kleidung, Lebensmittel, Drogerieartikel, Bücher, Spielzeug, Sexutensilien oder sogar Tierfutter – für alles gibt es doch eigentlich schon einen entsprechenden Online-Shop. Ja, eigentlich schon, uneigentlich eben noch nicht. „Als eines der wenigen Dinge, ist die Brille im E-Commerce stark unterrepräsentiert“, erläutert Kilian und fährt fort: „Ich kenne keinen Markt, der so „old school“, ja geradezu langweilig ist, wie der Brillenmarkt“. Zwar gäbe es Mister Spex und Brille24 sowie diverse weitere Shops für Kontaktlinsen, aber verglichen mit anderen Fashion Produktkategorien, wehe im Brillenmarkt trotz seines Milliardenvolumens nur ein laues „Online-Lüftchen“. Das VIU Gründerteam bläst daher zum Angriff und prophezeit Fielmann und Co. stürmische Zeiten.

Doch was genau macht VIU?

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„VIU ist kein reiner Online-Shop für Brillen“, stellt Kilian zunächst einmal klar. „Es ist eine eigene Brillenmarke, da wir unsere Brillenmodelle selbst designen und in einer kleinen, italienischen Manufaktur herstellen lassen. Ein zweiköpfiges Designerteam zerbricht sich bei uns permanent den Kopf darüber, was wir Brillenträger auf unserem Nasenrücken tragen werden. Hierzu umfasst unsere erste Kollektion momentan 14 verschiedene Modelle, die jeweils in 4-5 verschiedenen Farben verfügbar sind und sukzessive erweitern werden. Wir planen bereits neue Fassungen und neue Farben. Man darf gespannt sein, es wird weiterhin sehr stylish sein“, macht Kilian bereits jetzt Lust auf mehr.
Und auch sonst hat VIU weitere Vorteile zu bieten: Da wäre zunächst mal der Preis von CHF 195 für eine komplette Brille, d.h. inklusive hochwertiger Korrekturgläser. Ein Preisvorteil von mindestens CHF 405, denn Korrekturbrillen in der Schweiz kosten normalerweise durchschnittlich CHF 600. „Wieso man heute so viel für Brillen bezahlt, lässt sich durch die hohen Kosten der Optikerdistribution sowie erheblicher Machtkonzentration in der Produktion erklären: so besitzt etwa der Weltmarktführer Luxottica ein Quasimonopol auf mehr als 30 große Brillenmarken weltweit, u.a. Ray-Ban, Oakley, Persol, Prada oder Versace. Diese gehören entweder vollständig zum Luxottica Konzern oder werden unter Lizenznahme produziert und verkauft. Da VIU die komplette Wertschöpfungskette selbst kontrolliert, vom Design und der Produktion bis zum direkten Vertrieb an den Endkunden, fallen diese Kosten für den Endkunde einfach weg.
Der Kunde hat heute die Wahl zwischen einer teuren Designerbrille wie Mykita & Co., bei der man alleine für den Rahmen CHF 600 berappt, oder einem funktionalen Brillengestell von einem der großen Ketten, das zwar günstig ist, jedoch wenig Feel Good Emotionen beim Käufer auslöst. So kauft ein durchschnittlicher Brillenträger heute nur alle 3 Jahre eine neue Brille und von diesen sind ca. 50% schwarz – der Käufer entscheidet sich also oft für eine risikoarme Variante, die er in allen Lebenslagen tragen kann, und landet somit bei der zeitlosen, aber auch langweiligen Variante – kein Wunder, bei diesen Preisen.
Mit VIU wollen wir dem Kunden eine Alternative bieten, die auf der einen Seite höchste Qualitätsansprüche bedient (die Brillen werden in Zürich designed und in mehr als 80 manuellen Schritten in den italienischen Dolomiten handgefertigt) und auf der anderen Seite kein Vermögen kostet, um so dem design-affinen Kunden endlich die Möglichkeit bieten, die Brille als Fashion Accessoire richtig einzusetzen.

„Wir bringen die Brille dorthin, wo sie hingehört: In ein designaffines Umfeld mit modischer Kompetenz“

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Doch wenn der Preis sinkt, leidet dann nicht auch die Qualität der Brille? Diese Frage stellt sich wohl jeder, der schon einmal beim Optiker sass?
„Nein, für die Brillenqualität hat das keine Konsequenzen“, versichert Kilian. „Denn wir haben uns dutzende Lieferanten angesehen und sind schliesslich bei einer sehr hochwertigen Manufaktur in den italienischen Dolomiten fündig geworden. Diese Manufaktur arbeitet seit mehr als 40 Jahren exklusiv mit unabhängigen Designerlabels zusammen und wer solche Referenzen besitzt, bei dem stimmt die Qualität zu 100%. Allein der Rahmen wird in über 80 manuellen Schritten gefertigt und für unser Design mussten sie sogar ihre Produktionsschritte etwas verändern. Bei uns kommt es eben auf jedes Detail an“, fährt Kilian fort. „Diese Kompromisslosigkeit in der Qualität gilt selbstverständlich auch für die Gläser. Hier arbeiten wir mit Dominik Müller von „Müller Optik Zürich“ zusammen und es werden nur entspiegelte sowie kratz- und bruchfeste Gläser verwendet“, erläutert Kilian die finale Zusammensetzung des Rahmen und der Gläser.

Das revolutionäre Vertriebsmodell von VIU

Da man den Zwischenhandel ausschaltet, muss VIU dem haptischen Kundenbedürfnis anderweitig entsprechen. Sie tun dies, indem man sich über den VIU Webshop vier Modelle auswählen und für 4 Tage unverbindlich nach Hause liefern lassen kann – und zwar versandkostenfrei. Hat man sich in dieser viertägigen Anprobezeit für ein Modell entschieden, kommt die dann eingeschliffene VIU Brille innert einer Woche final und frei Haus geliefert. Zudem stellt VIU seine Brillen mit einem innovativen Showroom Konzept in ausgewählten Fashionboutiquen aus, d.h. der Kunde kann dort alle VIU Modelle anprobieren und bestellt entweder direkt im Laden (via Tablet) oder später von zu Hause aus.

Lessons Learnt für die HSGler

Bevor Kilian VIU mitgründete, war er selbst mehrere Jahre als Strategieberater bei McKinsey tätig. Ein Karriereweg, der vielen HSG Absolventen und aktuellen Start-up Gründern nicht unbekannt ist (vgl. Stefan Jeschonnek von SumUp). Seine dortigen Erfahrungen kommen ihm nun zu Gute, nicht nur bei der Entwicklung des VIU Businessmodels, sondern auch bei der Umsetzung des Startup Projekts: „McKinsey war für mich der ideale Einstieg nach der Uni, da ich noch nicht wirklich wusste in welcher Industrie ich arbeiten will und es ein unglaublich abwechslungsreiches Lernumfeld ist. Doch was mir jetzt bei VIU am meisten zu Gute kommt ist, dass ich bei McKinsey lernen musste zu priorisieren und mich auf die wichtigsten Punkte zu konzentrieren. Die Prioritäten richtig zu setzen und nicht alles durchschnittlich, sondern die richtigen Dinge besonders gut zu machen ist m.E. auch ein kritischer Faktor, um erfolgreich ein Startup aufzubauen, bei dem man chronisch zu wenig Ressourcen hat, der Tag trotzdem nur 24 Stunden hat und man neben VIU natürlich auch noch etwas leben will“, stellt Kilian heraus. Studienabsolventen sei daher durchaus dazu geraten, vor der Gründung als Unternehmensberater tätig gewesen zu sein. Schaden würde es nicht.

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