Das Für- und Wider des Freemium-Modells

Schluss mit dem Nulltarif-Wahn einerseits, lang lebe die Kostenlos-Mentalität andererseits. Die Fronten der Netzgemeinde sind oftmals sehr starr und nur selten kristallisiert sich ein Mittelweg. Das Freemium-Modell ist so ein gelungener Mittelweg.

Um eine kritische Masse aufzubauen (Viralität) und Nutzungshemmnisse abzubauen, ist es oftmals nötig, einen Service oder ein Produkt kostenlos anzubieten. Denn – und da sind wir uns vermutlich alle einig – das beste Bier ist immer noch das Freibier!

Auf Dauer geht das aber nicht gut, am Ende muss immer die Zeche gezahlt werden. Daher ist man dazu übergegangen, Usern einen kostenlosen Basiszugang zu gewähren, der so konzipiert sein sollte, dass er die zufriedenstellende Nutzung ermöglicht, gleichzeitig auch für ein (kostenpflichtiges) Mehr begeistert. Sämtliche Cloud-Services, wie Dropbox oder Boxcryptor verfolgen diesen Ansatz. Die Conversion bzw. die Aufteilung von Free- zu Paid-Usern liegt zwar im niedrigen einstelligen Bereich (selten über 10%), aber oftmals reicht dies aus, da die Grenzkosten für digitale Güter und Services gegen 0 tendieren.

Klar ist aber auch, zum Paid-User wird nur derjenige, dem der Service wirklich nützt, der quasi abhängig geworden ist. Der Produktnutzen muss so gross sein, dass es ein User für sich ausschliesst, jemals wieder downgraden zu wollen/zu können. Wer sich einmal an den 100GB-Speicher von Dropbox gewöhnt hat, der will nicht mehr auf einige wenige GB in der Freeversion zurückfallen. Das kann er sich “dateientechnisch” gar nicht mehr leisten.
Fakt ist aber auch, dass nicht alle auf Netzwerkeffekten-beruhenden Services ein Freemium-Modell etablieren können. Bei Dropbox geht das noch, bei Facebook hingegen nicht, da Facebook ein Kommunikationstool ist. Bei Linkedin hingegen lässt sich Freemium anwenden: Dessen grosse Basis an Gratisusern stellt nämlich einen grossen Wert für alle zahlenden Kunden dar, sprich den Headhuntern usw.

Contentwebseiten sei auch eher von Freemium abzuraten, da die meisten News im Internet austauschbare Commodoties sind. Bezahlschranken wirken eher kontraproduktiv und es kommt ja nicht von ungefähr, dass BILD und SPON (Deutschlands reichweitenstärkste Portale) nur sehr vorsichtig mit Premiumfeatures agieren. Auch bei Blogs macht es wenig Sinn, da man hier mitunter sehr auf den user generated content angewiesen ist. Und der kommt nun mal primär von den Usern, die es eben nicht gebe, unterlägen sie einer Bezahlschranke.

Problem beim Freemium ist jedoch, wie man sein Angebot produkt- und preistechnisch differenziert, um möglichst wenige abzuschrecken und gleichzeitig viel der Konsumentenrente abzuschöpfen. Es braucht ausgiebige Trial-and-Error-Verfahren, um herauszufinden, ob man zu wenig gratis anbietet oder genau richtig usw. Wer weiss schon im Vorfeld, ob 5, 20 oder 200 Schweizer Franken ein angemessener Preis ist. Oder eine Teamversion 3, 5,10 oder 50 Mitarbeiter umfassen soll? Es mag daher durchaus angebracht sein, direkt von Beginn an entweder alles kostenlos oder alles kostenpflichtig zu vertreiben. Schliesslich verärgert man sich mit jeder Anpassung an das Freemium-Modell seine bestehenden Kunden. Und wenn man ehrlich ist, einen loyalen Kunden zu verlieren ist so oder so das Graus eines jeden Unternehmers.

Ausührlichere Informationen zum Freemium-Modell gibt es auf den Seiten von Deutsche-Startups.de: Klick

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s